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Wie Einsamkeit und toxische Beziehungen deiner Gesundheit schaden können

Heute gehen wir der Frage nach, warum Einsamkeit und toxische Beziehungen die Gesundheit gefährden können und was die sogenannte Dunbar-Zahl damit zu tun hat.

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„Jedermann wird zugestehen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Wir sehen es in seiner Abneigung gegen Einsamkeit sowie in seinem Wunsch nach Gesellschaft über den Rahmen seiner Familie hinaus.“

Wenn es um die Säulen der Gesundheit geht, denken wir in erster Linie an Themen wie Ernährung, Bewegung und Regeneration. Wir neigen dazu, soziale Kontakte und die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, außer Acht zu lassen.

Persönliche Beziehungen haben jedoch einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Gesundheit und Langlebigkeit.

In diesem Artikel fassen wir einige Gedanken über die negativen Auswirkungen der Einsamkeit auf unsere Gesundheit zusammen.

Wir werden die Dunbar-Zahl kennenlernen und verstehen, wie Einsamkeit das Gehirn verkümmern lässt und wie toxische Beziehungen uns schaden.

Die Dunbar-Zahl

Die Interaktion mit anderen Menschen erscheint uns selbstverständlich, weshalb wir uns ihrer hohen Komplexität nicht bewusst sind. Doch schon ein einfaches Gespräch aktiviert viele Bereiche des Gehirns.

Wir müssen sowohl die Worte des anderen interpretieren als auch seine Emotionen anhand der Körpersprache erkennen. Gleichzeitig bereiten wir unsere Antwort vor und passen unsere nonverbale Kommunikation an.

Wir brauchen zwischenmenschliche Beziehungen // Simon Maage / Unsplash

Die Komplexität der Sozialisation nimmt mit der Größe der Gruppe zu. In einer Gruppe zu leben bedeutet auch, über alle Mitglieder eine Art soziales Rechnungsbuch zu führen. Wir …

  • … müssen uns an die Gefälligkeiten erinnern, die andere uns schulden oder die wir ihnen schulden.
  • … sind uns der Verpflichtungen und Ansprüche im Umgang mit den Mitgliedern der Gruppe bewusst.
  • … bewerten innerlich ständig die Vertrauenswürdigkeit der anderen.
  • … zeichnen eine mentale Landkarte (und aktualisieren sie ständig), um die Hierarchien und Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen zu verstehen.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir unser Verhalten im Umgang mit Menschen an ihre individuellen Besonderheiten, an ihre gemeinsame Geschichte und an unser Wissen über ihre Beziehungen und Interessen anpassen.

Mit anderen Menschen zusammenzuleben bedeutet, einen Konsens zu finden und gemeinsam an mehreren Projekten zu arbeiten. Diese hohe Komplexität hat in unserer Geschichte die Gruppengröße begrenzt.

Menschliche Beziehungsgeflechte sind kompliziert // Omar Flores / Unsplash

Der englische Anthropologe Robin Dunbar entdeckte, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem jeweiligen Volumen des Neokortex einer Spezies und der Größe ihrer sozialen Gruppe gibt.

Für den Menschen kam er zu dem Schluss, dass die maximale Anzahl sozialer Bindungen, die unser Gehirn ohne Überlastung bewältigen kann, bei etwa 150 liegt. Dies ist die berühmte Dunbar-Zahl.

Neuere Studien bestätigen diese Hypothese, indem sie beobachten, dass die Dichte der grauen Substanz in den Hirnregionen, die mit sozialer Wahrnehmung zu tun haben, von der Anzahl der Menschen abhängt, mit denen wir interagieren.

Einsamkeit lässt das Gehirn schrumpfen

Wie wir bereits gelernt haben, erfordert die Interaktion mit anderen Menschen geistige Anstrengung.

Studien an Ratten haben gezeigt, dass Ratten, die mit anderen in einem Käfig leben, einen größeren Hippocampus entwickeln als Ratten, die allein aufwachsen.

Bei Ratten, die immer mit anderen zusammen gelebt hatten und dann plötzlich isoliert wurden, wurde schon nach wenigen Monaten ein geringeres Gehirnvolumen festgestellt (mehr Details I, mehr Details II).

Tatsächlich gilt Isolationshaft als die schlimmste Strafe in Gefängnissen und ist für viele Menschen eine besonders heftige Form der Folter.

Auch beim Menschen gibt es Experimente, die die negativen Auswirkungen sozialer Isolation belegen. So wurden in einer Studie die Gehirne von acht Forschern untersucht, die monatelang auf einer Forschungsstation in der Antarktis arbeiteten.

Als die Forscher zurückkehrten, war ihr Hippocampus um durchschnittlich 7 % geschrumpft, obwohl sie nicht ganz allein waren. Allein die drastische Reduzierung der normalen Gruppengröße wirkte sich negativ auf das Gehirn aus.

Wahrscheinlich spielten aber auch Faktoren eine Rolle wie die Tatsache, dass die Tiere viel mehr Zeit im Haus verbrachten oder die Monotonie der arktischen Umgebung ertragen mussten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass soziale Interaktion ein wichtiger neuronaler „Treibstoff“ für die Gesundheit unseres Gehirns ist. Wird sie reduziert, beschleunigt sich unser geistiger Verfall.

Kurz gesagt, die hohe Komplexität der sozialen Interaktion macht sie zu einem starken neuronalen Schmiermittel, das, wenn es reduziert wird, den geistigen Verfall beschleunigt.

Einsamkeit erhöht unser Stresslevel

Soziale Isolation schadet unserer Gesundheit in vielerlei Hinsicht.

Unser Gehirn interpretiert Einsamkeit als drohende Gefahr, was zu erhöhtem Stress führt. In früheren Zeiten war Einsamkeit ein Todesurteil.

Einsamkeit kann uns gefährlich werden // Sasin Tipchai / Pixabay

In einer Studie sollten die Teilnehmer angeben, wie isoliert oder einsam sie sich zu verschiedenen Tageszeiten fühlten. Zusätzlich mussten sie eine Speichelprobe abgeben.

Als die Forscher die Ergebnisse auswerteten, stellten sie fest, dass der Cortisolspiegel im Speichel stark mit den Phasen der Einsamkeit korrelierte.

Eine der Auswirkungen von Stress ist die Schwächung des Immunsystems, was erklären würde, warum Einsamkeit zur Entstehung von Krankheiten beiträgt.

Das Gefühl der Einsamkeit beeinträchtigt auch die Schlafqualität und erhöht die nächtliche Wachsamkeit (Studie). Früher war es gefährlich, allein zu schlafen.

Wie toxische Beziehungen wirken

Soziales Miteinander ist ein zweischneidiges Schwert.

Sie ist verantwortlich für die größten Freuden, aber auch für die stressigsten Momente unseres Lebens.

Beginnen wir mit dem Positiven: Die Qualität unserer Beziehungen ist der beste Indikator für unser Glücksempfinden und gleichzeitig ein großer emotionaler Schutzwall.

Laut einer Harvard-Studie sind Menschen, die in ihren 50ern am zufriedensten mit ihren persönlichen Beziehungen sind, in ihren 80ern die gesündesten Menschen.

Die Beziehung zu anderen Menschen verstärkt das Gute und mildert das Schlechte. Die glücklichsten Momente unseres Lebens erleben oder teilen wir mit anderen.

Toxische Beziehungen hingegen schaden unserer Gesundheit auf allen Ebenen.

Menschen, die ihren engen Beziehungen ein schlechtes Zeugnis ausstellen, werden später häufiger krank (mehr Details).

Toxische Beziehungen schaden unserer Gesundheit auf allen Ebenen // Alexa / Pixabay

Konfliktreiche Ehen erhöhen den Blutdruck beider Partner (Studie). Außerdem scheint die Anzahl der Entzündungszytokine (Zytokine sind Proteine, die eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen) erhöht zu sein. Dadurch dauert die Wundheilung länger (Studie, Review).

Konflikthafte zwischenmenschliche Beziehungen erhöhen das Risiko für Depressionen (mehr Details). Nicht umsonst heißt es: „Lieber allein als in schlechter Gesellschaft“.

Einsamkeit vs. soziale Isolation

Soziale Isolation ist ein objektives Maß. Sie steht im Verhältnis zur Anzahl der Interaktionen, die wir mit anderen Menschen haben. Einsamkeit hingegen ist eine subjektive Erfahrung.

Soziale Isolation ist messbar. Einsamkeit dagegen kann nur gefühlt werden.

Beides scheint eng miteinander verbunden zu sein. Soziale Isolation verstärkt tendenziell das Gefühl der Einsamkeit. Ab wann man sich nicht mehr einsam fühlt, ist jedoch individuell verschieden und hängt auch davon ab, wo man sich auf der Skala introvertiert – extrovertiert einordnet.

Ferner bestimmen auch Kindheitserfahrungen den Grad der sozialen Bindung, der als ideal angesehen wird.

Zwar ist der Zusammenhang bei Einsamkeit stärker, aber auch soziale Isolation geht mit einem stärkeren kognitiven Abbau einher (Studie I, Studie II). Das Gehirn profitiert von der Interaktion mit anderen Menschen.

Einsamkeit hängt nicht nur von der Anzahl unserer sozialen Beziehungen ab, sondern auch von der Bedeutung, die wir ihnen beimessen. So können wir uns auch in einer größeren Gruppe einsam fühlen, wenn wir etwas, das uns wichtig ist, nicht mit anderen teilen wollen oder können.

Titelfoto von Christophe Dutour

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